Buchtipp
Kochbuch


Buchtipp Eva Gritzmann und Denis Scheck, Sie & Er, Der kleine Unterschied beim Essen und Trinken, Bloomsbury

"Sie & Er"

Eva Gritzmann, Denis Scheck




Bloomsbury Berlin
2011
192 Seiten
18 Euro



Buchtipp von
Christiane Schwalbe


Eva Gritzmann, Denis Scheck

beide kennen sich aus ihrer Schulzeit in Stuttgart



2912

"Sie & Er"

Der kleine Unterschied beim Essen und Trinken

Eva Gritzmann, Denis Scheck


Das Schwein steht zwischen ihnen – nicht nur symbolisch, auf dem Cover dieses vergnüglichen Buches. Denn es ist nun mal eine Tatsache, dass Männer deutlich mehr Fleisch als Frauen verspeisen und sich den tierischen Genuss auch dadurch nicht vermiesen lassen, dass zu viel Fleisch einfach ungesund ist – für Mensch und Klima.


Medizin und Literatur

Die beiden Autoren tragen viel Wissen zusammen – sie ist promovierte Medizinerin, er renommierter Literaturkritiker - und reichern es an mit (manchmal abenteuerlicher) Experimentierfreude, Lust am guten Essen, literarischen Schmankerln, geistreichen Analysen und heiter-informativen (Fach)Gesprächen: SterneköchInnen, Vegetarier, Bestsellerautoren, Metzgerin und Winzerin kommen zu Wort, sie alle kennen sich auf die eine oder andere Weise mit gutem Essen und Trinken aus und können Erfahrungen und Erkenntnisse zur Frage beisteuern, ob Sie und Er tatsächlich anders essen und wenn ja, warum.

Scharf ist nicht gleich scharf

Statistiken sind üblicherweise trockene Materie, hier sind die harten Fakten um männliche Fleischeslust und weiblichen Salatgenuss kurzweilig eingebettet in kulinarische Erlebnisse der nicht immer ganz harmlosen Art.
Die Brühe im Fire Pot in Hongkong lehrt sie das Fürchten – und den Sinn der Schärfe. Das Murmeltier in Rotweinsauce auf dem Teller bei Vincent Klink mahnt zur Demut vor allem, was essbar ist – und erinnert Sie an die Steinzeit. Im amerikanischen Spitzenrestaurant Moto ist Kochkunst auf Minimal-Genuss dekonstruiert, hier kostet eine Menü für drei Personen stolze 1300 Dollar – für buchstäblich heiße Luft und aufgeschäumte Pürees.

Genuss bleibt auf der Strecke

Aber in den Extremen beim Essen zeigt sich eben auch, wohin unsere Esskultur driftet, wenn man weiterhin geschehen lässt, was der ganz normale Durchschnittsmensch täglich in sich hineinstopft: industriell aufgespaltene, mit Zusatz- und Aromastoffen vollgepumpte und neu zusammengesetzte Lebensmittel, die diesen Namen nicht mehr verdienen.

Kenntnisreich und amüsant

Brust oder Keule, Mutters Gulasch oder Omas Kartoffelsuppe, Fleisch oder Gemüse – die Gerichte unserer Kindheit begleiten und prägen uns ein Leben lang, ob wir wollen oder nicht. Sie formen auch unseren Spaß am Kochen und unseren Sinn für Genuss – beides droht verloren zu gehen, wenn wir uns gegen Fastfood und industrielle Lebensmittel nicht entschieden zur Wehr setzen.
Sie & Er haben ein lehrreiches und amüsantes Buch geschrieben, das Wissen über gute Ernährung und guten Geschmack, die Lust am Schlemmen und die Geschichte unserer Esskultur verbindet und ganz nebenbei sogar noch feministische Fragen von Belang klärt.
Ein Lesespaß für Sie & Ihn.

(Christiane Schwalbe)