

Fischer Verlag
2010
332 Seiten
19,95 Euro
Buchtipp von
Gabi von Alemann
* 5.3.1946, Oberbayern, Literaturwissenschaftlerin
lebt in Berlin
508
Kein schöner Start in den Arbeitstag. Auf der Herrentoilette im Fachbereich Literaturwissenschaft liegt am frühen Morgen Professor Urlach mit einem Messer im Rücken. Tot.
Was ist passiert? Der Kollege Bruno Schauer? Seine Gattin Carola, die Schriftstellerin? Der Bibliothekar, die Doktorandin? Oder einer der Gäste der Party, die am Vorabend bei Irma von S. stattfand? Dort hatte Professor U. die meiste Zeit unkommunikativ herumgesessen.
Also - wer war's?
Silvia Bovenschen, die uns schon mit ihrem Bändchen "Älter werden" viel Freude gemacht hat, breitet in ihrem neuen Buch genüsslich und trockenhumorig eine Story aus, die genausoviel Krimi ist wie auch "Krimi": eine Kriminalgeschichte à la Agatha Christie, die zugleich als Parodie daherkommt und so das Genre doppelt hochleben lässt.
Mehr oder weniger akademisches Personal, verkrachte Existenzen, ein paar Vertreter der schreibenden Zunft mitsamt einschlägiger Abgründe – Bovenschen liefert einen komplett durchentrümpelten, frischen Remix, der das Krimi-Genre genauso herrlich komisch persifliert wie den Literatur- und Universitätsbetrieb.
Und obendrein lässt die messerscharf kluge Frau Bovenschen ihr Szenario noch von ein paar Außerirdischen beobachten, die unsere menschlichen Defizite mühelos als solche entlarven.
Das alles macht richtig Spaß, nicht zuletzt wegen der vielen Spiegelungen und Doppelungen, mit denen die Autorin uns amüsiert. "Ich könnte", sinniert die Schriftstellerin Carola, "einen Kriminalroman schreiben, in dem eine Schriftstellerin vorkommt, die einen Kriminalroman schreibt." Klasse gemacht, Frau B.!
(Gabi von Alemann)