Neue Bcher

Paul Torday
Bordeaux - ein Roman in vier Jahrgängen

Die Kommentare zu diesem Buch kann ich mir bestens vorstellen. Weintrinker höre ich sagen: Donnerwetter, dieser Torday, der versteht ja was von der Materie. Biertrinker: Hab ich doch schon immer gesagt, die spinnen, die Weintrinker. Wasser- und Kaffeetrinker: Das ist doch mal intelligente Unterhaltung. Mich betrifft's ja nicht. Diätcola-Trinker: Oh je, da muss ich aber aufpassen...

 

Paul Torday, Bordeaux, Berlin VerlagWein ist seine Leidenschaft

Der Mittdreißiger Wilberforce (seinem Vornamen verschweigt er gern) ist mit einer Softwarefirma reich geworden, hat sich ins Privatleben zurückgezogen und widmet sich nun seiner umfangreichen Weinsammlung, die er von einem alten, verarmten, britisch-landadeligen Kenner der Materie geerbt hat. Mit der Zeit ist Wilberforce selber zum Kenner geworden, allerdings widmet er sich seiner Leidenschaft inzwischen doch zu intensiv...Wie es dazu kam, erzählt der Brite Paul Torday ("Lachsfischen im Jemen") in vier "Jahrgängen", wie sich das bei diesem Thema gehört.

Purer Genuss

Gleich zu Beginn sehen wir Wilberforce, der in leicht dérangiertem Zustand in einem Nobellokal zur Vorspeise eine Flasche Sauternes leert und dann beim Sommelier einen 3000 £ teuren 82er Chateau Pétrus bestellt, die skeptischen Blicke des Restaurantpersonals mit einem dicken Geldbündel wegwedelt und sich dann ganz dem Genuss dieses wunderbaren Bordeauxweines hingibt – begleitet von ein paar Häppchen von der Lammkeule.

Edler Tropfen

Noch eine zweite (und letzte) Flasche dieses seltenen Tropfens hält man im "Tripes de Normandie" bereit, die Kellner gucken noch komischer, aber Wilberforce lässt auch diese öffnen. Als ihm plötzlich seine Catherine erscheint und er mit ihr zusammen zu singen anfängt – "ein paar Takte von 'Jesu, meine Freude' " -, was denn doch die anderen Gäste stört, fasst ihn der Oberkellner entschlossen um die Schulter und ruft ein Taxi, und dem schwankenden Wilberforce wird schwarz vor Augen...

Vom Säufer zum Weinkenner

Torday erzählt seine vier Jahrgänge rückwärts, von 2005 bis 2002. Aus dem Säufer wird so erst der Weinkenner und nach und nach der von Pizza und Diät-Cola lebende IT-Workaholic Wilberforce, der sich eines Tages in die hübsche Catherine verliebt, die eigentlich mit dem Landadelschnösel Ed verlobt ist. Catherine wiederum kennt auch den alten Francis Black, der auf seinem Landschlösschen eine unermessliche "Gruft" mit abertausenden Flaschen Wein sein eigen nennt.

Süffiges Lesevergnügen

Der britische Autor, der erst mit Ende 50 zu schreiben anfing, mischt – wie auch schon in seinem köstlichen "Lachsfischen"-Roman – wieder gekonnt ein Tröpfchen Tragik in die Komödie und macht die Lektüre spannend, obwohl man ja schon am Anfang weiß (oder zu wissen meint), wie die Geschichte ausgeht. Typisch Torday dabei der leicht spöttelnde Ton, very British indeed, der dieser raffinierten Mixtur aus Spaß und Ernst die fruchtige Schwere und die blumige Leichtigkeit verleiht, die ein süffiges Lesevergnügen ausmachen. Nicht nur für Weinkenner.

(Gabi von Alemann)

Paul Torday, "Bordeaux - ein Roman in vier Jahrgängen"
Berlin Verlag 2008, Taschenbuch 9.99 Euro, eBook 8,49 Euro
AudioBook Download 10,20 Euro

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