Neue Bcher

Verlag für Berlin-Brandenburg

Kann man sich vorstellen, dass es zwischen Volkspark und Straße am Schoelerpark in Wilmersdorf mal einen Badesee gegeben hat? Das Wilmersdorfer Seebad an der Hildegardstraße war um 1900 eine echte Institution. Und auch in Treptow gab es eine außergewöhnliche Lokalität: Hier lockte seit 1898 ein Paradiesgarten, in dem man nach Herzenslust schwofen konnte.

 

Verlag für Berlin-Brandenburg, BerlinAb ins Grüne

Die "Berliner Ausflüge", nun schon in 6. Auflage erschienen, sind ein Dauerbrenner im Verlag Berlin-Brandenburg (VBB), gleichermaßen vergnüglich zu lesen für alte und neue Berliner, die übrigens heute noch gern ins Grüne fahren, am liebsten mit Kind und Kegel und selbstverständlich am Sonntag.

 

 

Verlag Berlin-Brandenburg, Berliner Ausflüge

 

Wo Familien Kaffee kochen

"Die Sehnsucht der Berliner, am Wochenende ihrer Stadt zu entfliehen, entstand gleichzeitig mit den engen, dunklen Mietshäusern, in denen die meisten von ihnen seit der einsetzenden Industrialisierung der Stadt Mitte des 19. Jahrhunderts lebten" schreibt Holger Lehmann im Vorwort.Die Berliner schickten ihren Lieben gern Postkarten von solchen Ausflügen, die als kolorierte Lithografien aufs Schönste den Berliner Drang "ins Jrüne" illustrieren. Hier konnten Familien Kaffee kochen und sich anschließend beim Tanzen und beim Kegeln amüsieren. Viele der damals schon attraktiven Ausflugslokale gibt es heute noch, die "Berliner Ausflüge" führen uns hin.

Regionale Bezüge

André Förster ist seit 2010 Verlagsleiter des ursprünglich als Wissenschaftsverlag gegründeten VBB. Er markierte mit dieser erfolgreichen nostalgischen Reise zu den traditionellen Berliner Ausflugsgebieten einen Schwerpunkt seines Konzepts, "ein Verlag zu sein, der sich Literatur in ihren regionalen Zusammenhängen und Bezügen verschrieben hat, also insbesondere Berlin und Brandenburg."

Verlag Berlin-Brandenburg, Kästners BerlinLiterarische Schätze

Ein weiterer Schwerpunkt: die Literatur. Berlin war seit dem 18. Jahrhundert ein begehrter Anziehungspunkt für Schriftsteller, die hier in kreativer Großstadtatmosphäre arbeiten wollten "und auch gern ins Umland gezogen sind. So haben in unserer Region eigentlich alle bedeutenden Schriftsteller irgendwann mal gelebt", erzählt Förster und freut sich über  den neuesten Schatz seines Verlages, den er zusammen mit dem Autor Michael Bienert gehoben hat: "Kästners Berlin – literarische Schauplätze", einer der wichtigsten Titel im Herbstprogramm. "Bienert kennt sich als literarischer Stadtführer und Journalist bestens aus in dieser Stadt und hat neben den Texten auch die Illustrationen für dieses Buch zusammengestellt."

Verlag Berlin-Brandenburg, Die Entdeckung BerlinsDas luftige Berlin

Ein prachtvolles Buch, für das es – sagt Förster – im Frühjahr schon eine Art Appetizer gab. Da spazierte nämlich der Amerikaner Henry F. Urban Anfang des 20. Jahrhunderts durch "das reine, das geräumige, das luftige, das grüne und das blumige Berlin", in dem es Selterwasser und Limonade und Hausmannskost gab … Bouillon-Kartoffeln mit Rinderbrust und Meerrettich oder Erbsen mit Pökelfleisch und Sauerkraut." Seine launigen Beschreibungen und zum Teil urkomischen Vergleiche mit New York sind eine Wiederentdeckung des Verlages Berlin-Brandenburg. Michael Bienert folgt Urbans Spuren und illustriert "Die Entdeckung Berlins" mit zeitgenössischen Fotos.

Damals und heute

"Kästners Berlin" folgt Joachim Ringelnatz "Nach Berlin, nach Berlin, nach Berlin!" und  "Fontanes Berlin". Bernd W. Seiler hat dafür Fontanes Romane unter die Lupe genommen und spannende Schauplätze gefunden. Die Leser folgen den Romanfiguren und "im Nebeneinander der Bilder von damals und heute öffnet sich zugleich der Blick für den geschichtlichen Wandel, lässt sich mal melancholisch, mal mit Erleichterung verfolgen, wie die Stadt sich verändert hat und wie sie auch dieselbe geblieben ist."

Altes neu entdecken

Mit diesen Büchern bleibt Förster seinem Grundsatz treu, Schriftsteller wiederzuentdecken, dabei unterschiedliche Aspekte der Literatur- und Kulturgeschichte zu verbinden und neue Perspektiven auf alte Zeiten zu eröffnen.

"Mit solchen Titeln kann man als kleiner Verlag am Markt reüssieren, das sind Kostbarkeiten, die mit viel Sorgfalt und Herzblut gemacht sind. Sich an der Konkurrenz großer Verlage zu orientieren, wäre unsinnig. Wenn wir in der digitalen Welt bestehen wollen, dann können wir das tatsächlich nur mit schönen Büchern, die in Ausstattung, Optik und Haptik auffallen."

Geheimnisse der "Tartuffoli"

Um die 20 Titel pro Jahr hat sich der Verlag Berlin-Brandenburg vorgenommen, dazu gehören auch Ausstellungskataloge wie beispielsweise "König & Kartoffel – Friedrich der Große und die preußischen Tartuffoli". Aus sozial- und alltagsgeschichtlicher Perspektive wird betrachtet, wie der Preußenkönig die unbekannte Kulturpflanze in Brandenburg-Preußen einführte – mit vielen historischen Abbildungen und Rezepten ein echtes Lesevergnügen und ein Buch, das man gern in der Hand hält, auch, um nur drin zu blättern.

Literarische Kostbarkeiten

Dieser Katalog ist – wie auch das bald in zweiter Auflage erscheinende Potsdam-Lexikon – eine Koproduktion. Neben literarischen "Stars" und einem guten Netzwerk hilft die Zusammenarbeit mit regionalen Institutionen die Existenz des kleinen Verlages zu gewährleisten, weil Autoren- und Druckkosten von vornherein gesichert sind. "Wir können unmöglich jeden Titel frei finanzieren, aber es muss natürlich passen, sich einfügen ins Konzept der literarischen oder kulturgeschichtlichen Regionalität."

Bücher mit Herzblut

Verleger André Förster ist ohne Zweifel ein Liebhaber schöner Bücher und ein Exot inmitten der Verlagsgiganten. Autobiografische Geschichten stehen neben literarischer Spurensuche und großen Namen wie Christa Wolf, Carl Sternheim, Georg Heym oder Kurt Tucholsky bis zu literarischen Wiederentdeckungen – Henry F. Urban, Stefan Großmann, Franz Hessel. Gäbe es unter den Verlegern nicht solche Idealisten, die im besten Sinne des Wortes Bücher mit Liebe und Herzblut machen und dabei ein erstaunlich umfangreiches Spektrum anbieten – der Buchmarkt wäre um eine Reihe wichtiger Zeitdokumente und literarischer Kostbarkeiten ärmer.
(Christiane Schwalbe)

Verlag für Berlin-Brandenburg
Binzstraße 19
13189 Berlin
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Website: www.verlagberlinbrandenburg.de

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