D. B. John
Red Star Down
Ein Netz von Täuschung, Lügen und Spionage in Präsident Trumps erster Amtszeit, das sich über mehrere Kontinente erstreckt: CIA-Agentin Jenna ist nicht nur eine hochkarätige Kämpferin und die meistgehasste Person des nordkoreanischen Terrorregimes, seit sie ihre Zwillingsschwester aus seinen Fängen befreit hat. Die Machenschaften Nordkoreas sind mit dem chinesischen Regime ebenso verbunden wie mit Russland. Und seit Neustem auch mit den USA. Jennas Chef macht sich keine Illusionen, denn der US-Präsident ist unvorsichtig genug, bei gegenseitigen Besuchen zu prahlen. Und seine Geheimagenten in Gefahr zu bringen.
„Er tut alles, wovon Russland immer geträumt hat. Er zerlegt die Europäische Union, er untergräbt die NATO, und die regelbasierte internationale Ordnung ist ihm egal…“
Eric, ihr von Nordkorea eingeschleuster Gegenspieler, soll die Zerstörung der Allianz der USA und Südkoreas befördern und genießt als Berater das Vertrauen des Präsidenten, der die Warnungen des CIA vor eingeschleusten nordkoreanischen Schläfern ignoriert. Der dritte Protagonist des Romans, der junge russische Student Lyosha bietet Putin im Live-TV die Stirn und gerät in Schwierigkeiten. Nicht ahnend, dass ihm sein Vater, ein russischer Diplomat in den USA, eine wichtige Botschaft an den amerikanischen Geheimdienst in seinen goldenen Manschettenknöpfe hinterließ, als er in Washington ermordet wurde.
Verrat
So abenteuerlich das alles anmutet, so plausibel und detailreich entfaltet sich dieses furiose Szenario auf dem internationalen Schlachtfeld der Geheimdienste und Verräter, der Mörder und Geschundenen. Zu ihnen wird bald auch Jenna gehören, die auf der Suche nach der geheimen Botschaft in die Fänge der Russen gerät und mit ihren Erfahrungen einen tiefen Einblick in das postsowjetische Terrorsystem im Straflager bietet.
„Die Russen sind immer misstrauisch, Charles“, sagte sie frustriert. „Sie leben in einem Labyrinth von Spiegeln und Paranoia. Wir dürfen uns davon nicht abschrecken lassen. Wenn irgendwas das Risiko wert ist – dann ist es diese Geschichte.“
Risiken gibt es jede Menge, und sie werden alle eingegangen, auf allen Seiten. Eine besonders interessante Figur ist Eric, die Schachfigur des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un und seiner Schwester, auch seine Person eng an die Wirklichkeit angelehnt und ständig im Zwiespalt zwischen Loyalität und Überheblichkeit.
Verlockung
Auf absoluten Gehorsam dressiert und bestens ausgebildet kennt er die Realität beider Systeme, ihre Schwächen, aber auch ihre Verlockungen.
„ Ja, ein Teil von ihm kannte die Wahrheit. Aber es war ihm egal. Seine Illusion tröstete ihn und hielt die unergründliche schwarze Leere in Schach, die immer in ihm gewesen war und ihn bald gänzlich verschlingen würde. Töte oder werde getötet.“
D. B. Johns Thriller verbindet die Machtspiele internationaler Politik sehr lebendig und glaubwürdig mit den Menschen, die hinter den Kulissen agieren. Mühelos, wie schon in seinem ersten Thriller „Stern des Nordens“, in dem er die Vorgeschichte Gennas entwickelte, stellt er sich der Herausforderung, reale internationale Verwicklungen mit lebensgefährlichen Fehlentscheidungen und spannender Fiktion glaubwürdig zu verknüpfen. Dass er zudem als Experte für nordkoreanische Politik gilt, nachdem er das Land bereiste und erforschte, während er lange in Südkorea lebte, verleiht dem Roman hohe Plausibilität und geradezu prophetische Qualität. Zugleich balanciert der walisische Autor die Auftritte seiner fiktiven Personen ebenso elegant aus wie die der politischen Herrscher, zu einem düsteren Szenario eines möglichen Niedergangs westlicher Werte. Immerhin lancierte Trump 2018 ein umstrittenes Gipfeltreffen beider Staaten, und in diesem Sommer 2026 sind die Avancen, die Trump dem nordkoreanischen Diktator macht, deutlich auf Kosten Südkoreas, unübersehbar. Ein Autor, den man im Genre des Agententhrillers unbedingt auf dem Schirm haben sollte.
Lore Kleinert
D. B. John "Red Star Down"
Thriller, Suhrkamp Verlag, 2026, 716 Seiten, 20,00 Euro
