Jacob Weinreich, Lars Findsen
Dunkelmann. Ein Fall für Birk und Hartmann
Maja Birk arbeitet als Führungsoffizierin beim dänischen Auslandsgeheimdienst FE. Im Sommer 2023 ist ihr Auftrag, einen USB-Stick aus der Türkei zu bringen, den ein junger Agent unter Einsatz seines Lebens an sich gebracht hat.
Dunkelmann. Ein Fall für Birk und Hartmann
„Die Strecke, die noch vor ihr liegt, übersteigt ihre Vorstellungskraft. Aber sie ist darauf trainiert, ihre Gedanken zu kontrollieren. Sie ist darauf trainiert, Auto zu fahren, sich in fremden Ländern zu bewegen, negative Gefühle auszublenden und sich ganz auf ihr Ziel zu konzentrieren“.
Die Autoren machen die junge Frau nicht zur Superheldin, als der Einsatz um ein Haar misslingt. Verletzt wird sie nach einem Verkehrsunfall außer Landes und zurück nach Dänemark gebracht, und ihr Kontaktmann muss sich allein durchschlagen. Seine Flucht vor den Verfolgern ist einer der geschickt verknüpften Handlungsstränge dieses Romans, und die Bedeutung des USB-Sticks stellt sich erst später heraus. Auch dies ein Element, das deutlich macht, wie kundig die beiden Autoren ihr Hintergrundwissen nutzen, um eine ebenso plausible wie spannungsreiche Geschichte zu entwickeln. Land Findsen war selbst lange Jahre Chef des dänischen Geheimdienstes, und er kann die Intrigen, die dort eine Rolle spielen, ebenso gut in Szene setzen wie den Alltag, den die Mitarbeiter des Dienstes als ganz normale Menschen meistern müssen – und die zugleich mit ihrem Leben für den Schutz der westlichen Freiheit einstehen.
Der Analyst Daniel Hartmann entdeckt eine „Abweichung vom Normalbild“, ein Detail, das auffällt, als er eine chinesische Delegation untersucht, die in Kopenhagen zu einem Treffen erwartet wird, - ein Mann reist unter falschem Namen. Die chinesische Doktorandin Jia Ling soll angeworben werden, um Genaueres in Erfahrung zu bringen. Ihr Schicksal, der Druck, dem sie aus ihrer Heimat ausgesetzt ist und ihre Zweifel an der Richtigkeit ihres Tuns sind ein weiterer Handlungsstrang. Ins Zentrum rückt Zug um Zug ein Konflikt, der dieser Tage höchst aktuell wurde: alle Spuren führen schließlich nach Grönland, seinem Rohstoffreichtum, der die Gier der Großmächte weckte und auch das chinesische Interesse am großen Spiel befeuert. In der grönländischen See laufen die Fäden schließlich zusammen:
„Warum sollte jemand vor der ostgrönländischen Küste ein Schiff sprengen? Das ergibt einfach keinen Sinn. Oder doch? Vielleicht könnte man so eine kleine Umweltkatastrophe auslösen und auf diese Weise Aufmerksamkeit darauf lenken, dass es für eine sichere Schifffahrt hier oben an vernünftiger Infrastruktur fehlt.“
Der Roman erzählt von den Erfolgen mühsamer geheimdienstlicher Kleinarbeit, er spart aber auch Fehlverhalten Einzelner nicht aus. Ein demokratisches Land wie Dänemark mit Werten wie Transparenz, Vertrauen und Meinungsfreiheit ist mit hermetisch geschlossenen Systemen schlecht vereinbar, und zugleich müssen die Dienste zum Schutz des Landes unbeobachtet von der Öffentlichkeit agieren können – ein Konflikt, den die Autoren im Konflikt Daniels mit seiner Frau, einer engagierten Enthüllungsjournalistin anschaulich durchbuchstabieren. Ein spannender Roman, - viele Konflikte, kenntnisreich und nachvollziehbar entwickelt und von großer Aktualität, und die internationale Dimension der Probleme auch kleinerer Länder sorgt für den nötigen Thrill.
(Lore Kleinert)
Jacob Weinreich, Lars Findsen, Dunkelmann. Ein Fall für Birk und Hartmann. Thriller, aus dem Dänischen von Friederike Buchinger, Fischer Scherz Verlag 2026, 475 S. 18,00 Euro
