Romane

Katja Petrowskaja
Vielleicht Esther
Vielleicht hieß sie Esther, die alte Frau, die in Kiew allein zurückblieb, als ihre Familie im August 1941 vor der deutschen Armee floh. Ihr Enkel, der später der Vater der Autorin Katja Petrowskaja werden sollte, war gerade neun Jahre alt, und wenn nicht ein Blumenkübel vom Lastwagen heruntergenommen worden wäre, hätte er in der rettenden Arche keinen Platz gefunden.

Ernst Haffner
Blutsbrüder - Ein Berliner Cliquenroman
Er kriecht einem förmlich in die Nase – dieser Geruch nach Schmutz und feuchten Kleidern, nach Schnaps und abgestandenem Bier, nach Kneipendunst und kaltem Rauch. Er lässt sich nur durch Waschen, neue Klamotten und und ein warmes Zuhause vertreiben. Aber das haben die Blutsbrüder nicht.

Ludwig Laher
Bitter
Am Anfang stand ein orangefarbener Aktenordner. Das umfangreiche Material eines Forschers war der Anstoß für Ludwig Laher, die Geschichte eines vielfachen Kriegsverbrechers zu schreiben – mit verändertem Namen zwar, aus dramaturgischen Gründen etwas verknappt, aber ohne etwas dazu zu erfinden.

Monika Maron
Zwischenspiel
Ruth ist sechzig, Kunsthistorikern, alleinstehend, Mutter einer erwachsenen Tochter, und bereitet sich auf die Beerdigung ihrer Freundin Olga vor, die mit 90 Jahren gestorben ist. Im Selbstgespräch macht sie sich klar, wie sehr sie sich fürchtet, auf den Friedhof zu fahren. Werden ihr dort doch Menschen begegnen, die sie erfolgreich aus ihren Erinnerungen verbannt hat.

Maxim Biller
Im Kopf von Bruno Schulz
Die reiche, bilderreiche Sprache, mit der Bruno Schulz in allen dunklen Farben die damals triste Kreisstadt Drohobicz beschrieb, in der er eine ungeliebte Stelle als Kunstlehrer versah, wird einem nicht mehr aus dem Kopf gehen: "Unsere Stadt fiel schon damals immer mehr dem chronischen Grau der Dämmerung anheim, an ihren Rändern wuchsen Schattenflechten, flaumiger Schimmel und eisenfarbenes Moos."

